Obwohl Solar- und Windstrom zusammen derzeit weniger als zehn Prozent zur Deckung des Primärenergiebedarfs beitragen, glauben viele, die Energiewende stehe kurz vor einem Erfolg, der Öl und Gas überflüssig macht. Ein Blick auf die Zahlen muss Zweifel wecken. Nach Angaben der renommierten „Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen“ liegt Deutschlands Primärenergiebedarf zurzeit bei 10.500 Petajoule pro Jahr. Diese Energiemenge gilt es laut Gesetz in den nächsten 19 Jahren zu dekarbonisieren, also klimaneutral bereitzustellen. Nach Vorstellungen des Umweltministeriums soll dies hauptsächlich durch Wind- und Solarstrom geschehen, da Quellen wie Wasserkraft- oder Biomasse-Kraftwerke als kaum ausbaufähig gelten. Atomkraft ist unerwünscht.
Ein Plan, der leider fern der Wirklichkeit liegt. Denn die Solarenergie lieferte im vergangenen Jahr nur 363 Petajoule. Die mit jährlich zehn Milliarden Euro subventionierte Fotovoltaik steht damit gerade einmal für etwa 3,4 Prozent der 10.500 Petajoule und fällt jede Nacht komplett und im Winter weitgehend aus.
Windstrom lieferte 481 Petajoule und deckte damit 4,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Zusammen kommen Sonne und Wind also auf acht Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs. Eine baldige Unabhängigkeit von importierten fossilen Energien bzw. Atomstrom legen diese Zahlen nicht nahe.
Für eine schnellere Verbreitung energieeffizienter Elektroautos spricht immerhin, dass in diesem Jahr erstmals günstigere Modelle auf den Markt kommen. Auch Wärmepumpen könnten billiger werden und dank Weiterentwicklung nicht nur für Neubauten, sondern auch für ältere Bestandsbauten infrage kommen.
Ob dieser positive Effekt ausreicht, den Anteil von 80 Prozent fossiler Energie schneller abschmelzen zu lassen, ist ungewiss. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich der Primärenergiebedarf bis 2030 im Vergleich zu 2008 um 39,3 Prozent senken lässt. Dieses hoch ambitionierte Ziel steht im Energieeffizienzgesetz.
Inzwischen haben die Menschen aber ein Bedürfnis nach dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt. Dafür ist der Bau stromhungriger Rechenzentren nötig. Der vorhandene Ökostrom dürfte in diese neuen Verbrauchssektoren fließen. Für den Ersatz fossiler Energie-Importe steht er dann nicht mehr zur Verfügung.
Quelle: Dieser Beitrag beruht auf einem aktuellen Artikel in der Welt am Sonntag vom 28.03.2026.
Der dortige Artikel wurde von Daniel Wetzel für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ geschrieben. Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.